Die Entstehung und Entwicklung des Ortsteils Klein Reken
Dieser Beitrag wurde auf Basis verschiedener historischer Quellen von Ehrenamtlichen des Heimatarchivs Reken erstellt. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit!
Im Rahmen der Aufarbeitung geschichtlicher Ereignisse und Gegebenheiten schreiben wir diesen Beitrag insbesondere im Hinblick auf weitere und/oder neuere Erkenntnisse stetig fort.
Die erste urkundliche Erwähnung Klein Rekens datiert auf das Jahr 1447. Dies wurde eher durch den zufälligen Fund einer entsprechend datierten Urkunde bekannt. Als nämlich im Jahre 1861 unter Pfarrer Johann Bernhard Meyer der Hochaltar der Kirche repariert wurde, fand man im Altar ein kleines versiegeltes Gefäß, das die Urkunde aus dem Jahre 1447 enthielt. Nähere Informationen zum Inhalt der Urkunde und zu weiteren kirchenhistorischen Aufzeichnungen für Klein Reken können in dem Beitrag zur Kirche und Pfarrei St. Antonius nachgelesen werden.
Wie das übrige Münsterland auch, war (Klein) Reken zunächst ein geistliches Fürstentum. Die Verwaltung war gut und die Abgaben mäßig. Allerdings hatte das Dorf Lütke Reken [Anm.: Lütke = Klein], wie es damals genannt wurde, durch den Dreißigjährigen Krieg (Wikipedia) und den Siebenjährigen Krieg sehr gelitten. Oft flüchteten die Leute während der Kriege mit ihrem Vieh in die angrenzende Hohe Mark. Der alte Dorfschmied Johann Humberg erzählte einst, dass in „Zorenböhmers Kamp“ eine Fluchtstelle gewesen sei. Es gab dort einen kleinen Teich und in der Umgebung wuchsen drei bis vier Meter hohe Ginster- und Wacholderbüsche sowie ein Wildwuchs aus Kiefern und Birken.
Ein neuer Geschichtsabschnitt begann 1813 durch die vorläufige Besitzergreifung durch Preußen. Die Überlieferung von einem alten Dorfschullehrer, dass der Feldherr Tilly selbst sein Heerlager in Lütke Reken eine Zeitlang aufgeschlagen hatte, ist ungenau und auch nicht nachweisbar. Wenn aber die Angaben glaubhaft sind, dass der Hof Heiming (genannt Heims Hof) im Dreißigjährigen Krieg 500 Klafter Buchenholz zu liefern hatte, so geht daraus hervor, dass Soldaten im Ort waren und natürlich geraubt und geplündert haben. Durch die preußische Landesordnung 1813 herrschte zwar Frieden im Land, aber die Preußen waren im Münsterland zunächst nicht beliebt. So sind die ersten preußischen Beamten, die nach Reken kamen, wieder fortgeschickt worden.
Der damalige Präsident der Kriegs- und Domänenkammer Münster, Freiherr vom Stein, setzte sich sehr für das Münsterland ein, so dass auch bald bei den Rekenern die preußische Verwaltung nach und nach Anerkennung fand. Und so sang man bald in den Schulen das „Preußenlied“, ganz nach dem Motto „Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe“.
1816 wurde Klein-Reken, damals auch Lütke Reken (Anm.: Lütke = Klein) genannt, von Groß Reken getrennt und zu einer selbständigen Gemeinde gemacht, in der damals etwa 50 Familien lebten. Dazu zählten auch elf große Bauern, die schon 100 Jahre zuvor zu bischöflichen Zeiten existierten und deren Namen fast alle heute noch vorhanden sind. >> >>Vier Bauern gehörten zum Böckenboom: Heimingh, wo jetzt das Forsthaus liegt, Bohmert (jetzt Franz Sträter), Vehlken (jetzt Ewald Bröker) und Bössingh (jetzt Bernhard Hülsbusch). lm Oberdorf lagen Brimming, Brinkmann (jetzt Gaststätte Besseling), im Uterdorf Nienhaus; auf der Stelle steht das Geschäftshaus Punsmann. Up de Brügge (gemeint ist die Brücke über den Bach bei Wortmann) lagen: Wernsingh (jetzt Brennerei Frieding), Mecking (jetzt Wortmann), Breuer, Bertenhoff, Nordendorf. << <<
Ein vielbenutzter Handelsweg verlief von Borken nach Heiden, an Klein-Reken vorbei und dann durch die Hohe Mark nach Haltern zur Lippe. Dieser Weg wurde auch häufig von holländischen Kaufleuten benutzt. Nicht durch Zufall hatte schon 1774 die Gaststätte von Peter Walter das Aushängeschild „Zum Reisenden Mann“.
Was die Bewohner an Getreide, Obst, Fleisch, Wolle oder selbstgewebtem Leintuch verkauften, brachten sie vielfach nach Haltern zum Markt. Getreide kauften in größeren Mengen auch die Holländer.
Aus den übrigen Familien arbeiteten einige als Handwerker, Landarbeiter oder Holzarbeiter. Den Dorfschmied stellte schon seit Generationen die Familie Humberg. Große Bedeutung hatte das Weberhandwerk, so waren die Vorfahren der Familie Heimingh am alten Landweg Leineweber. Kleine-Wernsing war einer von den Leinewebern im Dorf, das Haus stand eim jetzigen Kriegerehrenmal. Bis vor einigen Jahren standen noch Reste von einem alten Flachsofen an dieser Stelle. Bei all diesen „kleinen Leuten“ war der Verdienst gering und die Kinderzahl meist groß. Sie hatten fast alle zur Ernährung einige Morgen Land und hielten für die Milchgewinnung eine Kuh oder einige Ziegen. Die Kühe wurden meist auch für die Feldarbeit angespannt.


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BU: Hof Heimingh, erbaut 1711
Nach dem Ersten Weltkrieg bekam das Dorf elektrisches Licht. In den zwanziger Jahren setzten auch die Kultivierungen ein. Rund um das Dorf wurden Wälder gerodet und zu Ackerland gemacht. Fast alle Bauern haben so ihre Nutzflächen vergrößert. Es war schwere Arbeit: Zunächst wurden die Stämme mit Axt, Hacke und Spaten gerodet, dann zogen Pferde mittels einer Seilwinde die Stämme aus dem Boden.


Zur Zeit des Nationalsozialismus war Franz Bösing von 1933 bis 1945 Amtsbürgermeister des Amtes Heiden-Reken. Er wurde zunächst vom damaligen Landrat Dr. jur. Peter Cremerius als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt, nachdem sein Vorgänger im Amt, Hidding, abgetzt worden war. Mehr zu diesem dunklen Kapitel der Rekener Geschichte lesen Sie im Beitrag zum „Die Zeit des Nationalsozialismus“.

Im Zweiten Weltkrieg fanden dreißig Männer aus dem Ort den Tod an den Fronten. Beim Einmarsch der alliierten Truppen wäre das Dorf fast zerstört worden.
Für den damaligen Bürgermeister Bernhard Mecking war es schwer, den „totalen Krieg“ mit all seiner Tragik von der Gemeinde fernzuhalten. Der gewissenhafte Mann hat es wohl von allen Bürgermeistern, die Klein Reken in den 150 Jahren seiner politischen Selbständigkeit hatte, am schwersten gehabt. [Wann war Mecking BM, wenn Bösing 1933-1945 BM war?]


Nach dem Krieg im Januar 1946 wird der Bauer Heinrich Wüller von der Militärregierung als Bürgermeister eingesetzt. Er galt gemeinhin als tatkräftig und brachte einiges „auf den Weg“.
Nach der ersten Wahl im November 1948 wird der Bauer Berhard Nordendorf Bürgermeister. In dieser Zeit müssen viele Flüchtlinge untergebracht und versorgt werden.
1952 wird Bernhard Kleimann zum Bürgermeister gewählt. Er sorgte dafür, dass viele Flüchtlinge im Birkenhain ein Grundstück für ein Haus bekamen und eine landwirtschaftliche Nebenerwerbsstelle gründen konnten.
Leider verstarb er während seiner Amtszeit. Daher übernahm Nordendorf wieder das Amt des Bürgermeisters und wurde bei der kommenden Wahl auch im Bürgermeisteramt bestätigt.
In diesen Zeiten entstanden die Neubaugebiete Hubertustal und Antoniusstraße zu beiden Seiten der Haltener Straße (L652). 1963 wurde mit dem Neubau der Antonius-Grundschule begonnen.
1964 wurde Heribert Beckmann zum Bürgermeister gewählt. Er blieb bis zum Jahre 1969 Bürgermeister. In seiner Amtszeit wurde das Baugebiet Buttstegge erschlossen. Weiterhin wurden 4 Lehrerdienstwohnungen gebaut und die Feuerwehr erhielt ein neues Gerätehaus. Das Dorf wurde an die Kanalisation der Findus-Werke (heute Iglo) in Bahnhof Reken angeschlossen.
[Bild vom ersten Lehrerhaus einfügen]
BU: Das erste Lehrerhaus in Klein Reken, [Jahreszahl]
1969 fand die letzte Gemeinderatssitzung der eigenständigen Gemeinde Klein Reken statt. Im Zuge der kommunalen Gebietsreform in NRW (1966 – 1974) kam es zum Zusammenschluss der Rekener Ortsteile – darunter auch Klein Reken – zur neuen Gemeinde Reken. Damit endete nicht nur die Amtszeit von Bürgermeister Heribert Beckmann, sondern es begann auch eine neue Ära für den südlichsten Ortsteil
Mit dem Zusammenschluss wuchs auch Klein Reken. Der durch die Bahnlinie nach Westen hin abgegrenzte und durch die Fischteiche getrennte Ortsteil wurde seither um mehre Baugebiete erweitert.
Es entstanden die „Antoniussiedlung“ und das Neubaugebiete „Neuenkamp“ an der Haltener Straße. Es folgte das Baugebiet „Fathofskamp“, in dem ab 1998 rund 40 neue Baugrundstücke erschlossen wurden. Ab 2006 wurde dieses mit dem Bebauungsplan „Fathofskamp II“ nach Westen hin um weitere 36 Grundstücken erweitert. Mit dem im Jahre 2011 in Kraft getretenen Bebauungsplan „Frieding“ standen zuletzt weitere 60 Baugrundstücke unweit der Bahnlinie an der Grenze zu Bahnhof Reken für interessierte „Häuslebauer“ zur Verfügung.
