Die Entstehung und Entwicklung des Ortsteils Maria Veen
Dieser Beitrag wurde auf Basis verschiedener historischer Quellen von Ehrenamtlichen des Heimatarchivs Reken erstellt. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit!
Im Rahmen der Aufarbeitung geschichtlicher Ereignisse und Gegebenheiten schreiben wir diesen Beitrag insbesondere im Hinblick auf weitere und/oder neuere Erkenntnisse stetig fort.
Maria Veen liegt im östlichen Teil der heutigen Gemeinde Reken (Kreis Borken, Münsterland) und entwickelte sich erst vergleichsweise spät als eigenständiger Ortsteil. Der Name „Veen“ verweist auf Moor oder Feuchtgebiet („Veen/Venn“ = Moor) und „Maria“ stammt vom Patrozinium der kirchlichen Niederlassung, die hier entstand. Laut Quellen wurde der Ortsname bewusst gewählt als „Maria im Veen (Moor)“.
Vor der eigentlichen Gründung eines „Ortes Maria Veen“ war das Gebiet östlich der damals neuen Bahnlinie vor allem Moor und Sumpfland. In alten Kataster- und Flurnamen tauchen Begriffe wie „Dowen Veen“ auf, was auf wenig kultiviertes Gelände hinweist. Es gab vereinzelt Bauern- oder Kottenhöfe, doch keine starke Besiedlung oder Ortsstruktur im heutigen Sinne.
Die eigentliche Entwicklung geht auf eine Initiative des einstigen Pfarrers von Groß Reken, Hermann Harrier, zurück, der 1886 die Urbarmachung des bis dato weitflächigen Moorgebietes anregte. Eine katholische Arbeiterkolonie sollte gegründet werden, um die Landkultivierung voranzutreiben und abseits von kapitalistischen Spekulationen und Spekulanten Land sinnvoll zu nutzen.
Bereits im Frühjahr 1887 wurde der „Verein für katholische Arbeiterkolonien“ gegründet. Als Standort wurde das Moorgebiet gewählt, nahe der damals gerade neuen Bahnlinie Oberhausen-Quakenbrück mit anschließendem Haltepunkt.
Im Jahr 1888 unterzeichnete der Orden der Trappisten einen Vertrag zur Leitung der Kolonie und bereits am 19. Juni 1888 trafen die ersten fünf Mönche ein, angeführt von Anselm Ellering (Prior). Sie übernahmen 300 Morgen Land und bauten die Kolonieanlage samt Gemeinschaft auf.
Die Kolonie sollte Siedlern und Arbeitenden eine Heimat bieten. Nicht-Sesshafte (Wanderarbeiter) erhielten Kost und Logis gegen Arbeitsleistung im Moor- und Landwirtschaftsgebiet.
Zwischen 1888 und etwa 1912 wurden zwei große Gebäudekomplexe errichtet: Zum einen das Kloster Viereck mit Kirche, zum anderen Wohn und Arbeitsanlagen für die Kolonisten.
Die Kirche wurde 1903 eingeweiht im neuromanischen Stil. Die Mönche kultivierten Moor und Sumpfgebiete, legten landwirtschaftliche Strukturen an, und sorgten dafür, dass aus dem ehemals wenig genutzten Gelände ein belebter Ortsteil entstand.
Die erforderliche Eisenbahn-Haltestelle wurde 1889 eingerichtet – dies war eine wesentliche Voraussetzung für die Ansiedlung und Erschließung des Gebiets.
Der Name „Maria Veen“ wurde bewusst gewählt: Das Kloster erhielt den Namen „Maria im Veen“, was später auf die Bahnstation und dann auf den Ortsteil überging.
Nach dem Ersten Weltkrieg und während der Zwischenkriegszeit entwickelte sich die Kolonie weiter. Die Einrichtung „Haus Maria‐Veen“ wurde 1888 als Arbeiterkolonie gegründet und 1926 erweitert.
Mit Wirkung vom 1. April 1959 wurden in der ehemals „Middelbauerschaft“ Maria Veen erstmals Straßenbezeichnungen eingeführt – ein Zeichen dafür, dass der Ortsteil zunehmend eine eigenständige Siedlungsstruktur erhielt.
Ab 1952 übernahmen die Missionare von Mariannhill das Klosterareal, gründeten 1958 ein Gymnasium und verstärkten damit Bildung und institutionelle Präsenz.
Im Zweiten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde das Gelände u. a. für Vertriebene genutzt – etwa 90.000 Flüchtlinge und Vertriebene kamen zwischen 1945 47 hier durch.
In den folgenden Jahrzehnten wandelte sich Maria Veen weiter: Es entstanden soziale, schulische und kirchliche Einrichtungen (z. B. Grundschule Ellering Schule, Gymnasium Mariannhill, Benediktushof als Rehabilitationszentrum) und der Ortsteil erhielt eine moderne Infrastruktur.
Obwohl Maria Veen heute als Ortsteil von Reken firmiert, war seine Entwicklung vergleichsweise später und stark geprägt durch gezielte Initiativen – also nicht nur eine natürlich gewachsene Dorfstruktur wie bei Groß Reken oder Klein Reken. Seine Identität hängt eng mit dem Klosterprojekt, der Kolonieidee und den Ordensgemeinschaften zusammen, was Maria Veen von den klassischen bäuerlichen Ortsteilen unterscheidet
