Die Entstehung und Entwicklung des Ortsteils Bahnhof Reken

Dieser Beitrag wurde auf Basis verschiedener historischer Quellen von Ehrenamtlichen des Heimatarchivs Reken erstellt. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit!
Im Rahmen der Aufarbeitung geschichtlicher Ereignisse und Gegebenheiten schreiben wir diesen Beitrag insbesondere im Hinblick auf weitere und/oder neuere Erkenntnisse stetig fort.

Der Ortsteil Bahnhof Reken liegt im südlichen Bereich des Rekener Gemeindegebiets. Er entstand nicht als historisches Dorf mit jahrhundertelanger Kontinuität, sondern markiert eine vergleichsweise späte Siedlungsentwicklung, die eng an den Neubau der Eisenbahnlinie gebunden ist. Der Name „Bahnhof Reken“ ist wörtlich genommen: Der Ortsteil bildete sich rund um den Bahnhof, der der Gemeinde Reken eine Bahnanbindung und damit eine neue, wichtige Infrastrukturachse brachte. Das Empfangsgebäude des namensgebenden Bahnhofs wurde im Jahr 1877 errichtet.

Historischen Aufzeichnungen zeigen, dass es bereits im Jahr 1856 Planungskonzepte für eine Bahnlinie (Oberhausen–Rheine) durch das Gebiet von Reken gab.
Im Jahr 1879 wurde die Strecke samt Bahnhof Reken fertiggestellt und in Betrieb genommen.
Der Bahnhof wurde nicht in Groß Reken oder Klein Reken direkt angelegt, da dort Widerstand gegen die Bahn und den Bahnhof entstanden war (Dorfbewohner, Kirche, Bauern befürchteten negative Effekte). Stattdessen wurde eine Fläche an der Grenze zwischen Groß Reken und Klein Reken ausgewählt – das sogenannt „Haken Hee“ (Hakes Heide) –, wenig wertvoller Boden außerhalb der Hauptdörfer.
Zunächst entstanden am Bahnhof wenige infrastrukturelle Gebäude: das Bahnhofsgebäude mit Empfang und ein Wartesaal, daneben erste Gewerbe und Bahnanlagen. Wohnhäuser entstanden erst später, entlang der neu angelegten Straßen (Bahnhofstraße, Marienstraße) als Zufahrtswege zur Bahnstation.

Der neue Ortsteil Bahnhof Reken brachte viele Entwicklungen mit sich, die für ganz Reken von immenser Bedeutung waren und bis heute sind.
So bot die Bahn für Bauern aus der Umgebung die Chance, Produkte weiter zu transportieren – Vieh und Landwirtschaftserzeugnisse konnten leichter und breiter vermarktet werden. Damit profitierte die Region indirekt von der Eisenbahn. Gewerbliche und handwerkliche Betriebe siedelten sich schon früh in der Bahnhofsnähe an: z. B. eine Ziegelei & Sägewerk („Rekener Dampfziegelei und Sägewerk“) entlang der Dorstener Straße.

Eine Wohnbebauung setzte ein, jedoch im Vergleich zu den älteren Bauerschaften (Groß Reken, Klein Reken, Hülsten) erst relativ spät. Am Anfang dominierten die Verkehrsanbindung, Gewerbe und Bahnpersonal. Eine klassisch gewachsene Dorfstruktur mit Kirche und umliegenden Gebäuden existierte hier lange nicht.
Ein bedeutender Baustein war die Errichtung einer Notkirche bzw. Vereinskirche. Im Dezember 1921 wurde zu diesem Zwecke Baugrund erworben und schon im November 1922 erfolgte die feierliche Einweihung der Kirche St. Elisabeth (als Notkirche) in Bahnhof Reken. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag „Die Pfarrei und Kirche St. Elisabeth.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Bahnhof Reken rasant weiter.
Durch die Lage am Bahnhof und die Verkehrsanbindung wurde der Ortsteil zu einem Wirtschaftsort mit Pendlerverkehr, Bahn- und Busanbindungen.
Das Bahnhofsgebäude, heute unter Denkmalschutz stehend, entstand 1877 und wurde in den Jahren 2005/06 umfassend saniert. Es beherbergt heute eine Restauration im Erdgeschoss und (Ferien-)Wohnungen im Obergeschoss.

Die Wohn- und Gewerbebebauung nahm kontinuierlich zu und Straßen wurden ausgebaut. Die Bahnhofstraße wurde somit zur zentralen Achse.
Ab 1993 entstanden über 80 neue Wohnbaugrundstücke im Baugebiet „Heiming“. Im Nordwesten wurde der bereits vorhandene Siedlungsansatz an der Schillerstraße im Jahre 1998 um weitere Grundstücke erweitert.
2001 folgte das Baugebiet „Nordendorf“ mit rund 100 Baugrundstücken. Bereits damals war dessen westliche Fortsetzung mit rund 75 Bauplätzen in Planung („Nordendorf II“).

Einen echten Meilenstein für die Gemeinde stellte die Ansiedlung des damaligen schwedischen Tiefkühlwarenherstellers „Findus“ 1963/64 in direkter Nachbarschaft zur Bahntrasse dar. Mit dem ersten wirklichen Großwerk in der weiteren Umgebung sowie späteren Erweiterungen stiegen die Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde, siedelten sich immer mehr Arbeitskräfte in Reken an und stieg die Kaufkraft in den Orten.

Mit der Ausdehnung der Gewerbeansiedlungen im Bereich der Gewerbeflächen „Alte Ziegelei“, „Dorstener Straße/Holtendorf“ sowie den neueren Gewerbegebieten „Bahnhof Reken I“ und Bahnhof Reken II“ wurde auch eine planerische Neuausrichtung für den Lastenverkehr erforderlich. Die Umgehungsstraße wurde gebaut, die fortan den Lkw-Verkehr direkt von der Dorstener Straße in die außenliegenden Gewerbegebiete lenkte. Fast zeitgleich entstand das sogenannte „Frankenohr“, ein im südlichen Bereich angelegter Gabelpunkt mit Ampelanlage. Hierüber konnte der aus Richtung des „Kreulkerhook“ von der Autobahn A31 kommende Lastverkehr am Ort vorbei direkt auf die Dorstener Straße geführt werden und so der Ortskern spürbar entlastet werden.

Der Ortsteil Bahnhof Reken unterscheidet sich deutlich von den älteren gemeindlichen Ortsteilen wie Groß Reken oder Klein Reken.
Da er nicht durch eine mittelalterliche Pfarrkirche und/oder Bauerschaft entstanden ist, sondern durch die Bahn-Infrastruktur im späten 19. Jahrhundert. Dadurch zeigt er eine transitorische Siedlungsform von der Verkehrsanbindung über Gewerbe zur Wohnnutzung und stellt so eine moderne Ergänzung zur traditionellen Rekener Gemeinde dar – insofern quasi ein „Neubau“ im Vergleich zur klassischen ländlichen Besiedelung des Münsterlandes.

Heute präsentiert sich Bahnhof Reken als aktiver Ortsteil mit guter Verkehrsanbindung, Wohnbebauung, Gewerbe und Dienstleistungsbetrieben. Das historische Bahnhofsgebäude ist ein markantes Baudenkmal. Die Nähe zur Bahnlinie macht den Ort attraktiv für Pendler und ist eine wichtige Anbindung an umliegende Städte, insbesondere im Ruhrgebiet. Gleichzeitig bleibt Bahnhof Reken – trotz seiner infrastrukturellen Lage – im Verhältnis zu großen Städten eher ländlich geprägt.

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