Hungersnöte (1708/09 & 1739/40)

Hunger und Elend herrschten im Jahre 1712 als der Chronist Hermann Fromm schreibt:
„Anno 1712 den 31 December ist von Kanzel abverkündet, dass keiner mehr dörfen Fosel (Schnaps) brennen von Korn, den es werde viel Korn damit verdorben und an unser gnedígster Landes Herr ist große Klußung [Klage] kommen, da viele Bauern des Sonntages dull und vull und ganz narrisch kamen in die Kirche und speiten den fosel aus ihr mundt, die weil sie so viel gesoffen hatten, dass nüchtern Menschen nicht konnten dauern bey solche drunken Leute, also hat unser gnedigste Landes Herr verboten lassen, nich mehr fosel zu machen bey 25 golt gulden Strafe. God gebe unseren gnedígsten Herrn Glück.“

Der harte Winter 1708/09 fiel in die Spätphase der Kleinen Eiszeit, die durch starke Temperaturschwankungen und häufige Kälteextreme geprägt war. Er gilt als einer der kältesten Winter in Europa seit 500 Jahren und wird oft als „Großer Frost“ (Great Frost) bezeichnet.
Obstbäume erfroren in großem Stil, an Weinreben entstanden schwere Schäden. Das Wintergetreide (z. B. Weizen, Roggen) erfror auf den Feldern, was zu erheblichen Ernteausfällen führte.
In der weiteren Folge starb das Nutzvieh in Massen, da sie durch Futtermangel stark geschwächt waren. Wildtiereverendeten, weil sie kein Futter fanden.

Auch nach dem Winter 1739/40, der ebenfalls einer der heftigsten und längsten war, die Deutschland bis dahin erlebt hatte, folgte eine schreckliche Hungersnot. Der Winter begann Mitte Oktober und dauerte bis in den Mai. Die Ostsee war zugefroren, so dass es möglich war, über das Eis nach Schweden zu gelangen. Die ganze Winterfrucht war erfroren, und das Sommergetreide konnte erst Mitte Juni ausgesät werden. Dementsprechend schlecht fiel im Herbst die Ernte aus, so dass kaum Brotkorn vorhanden war. Um das Schlimmste abzuwenden, wurde Brotgetreide über den Rhein herangeschafft. Damit im Wiederholungsfalle eine Notreserve vorhanden war, ordnete Fürstbischof Clemens August Herzog von Bayern an, Esskastanien zu pflanzen. Der „Pastors Kastanienbusch“ ist eine Anpflanzung aus dieser Zeit. Ferner befahl er, Waldpflanzung in der fast baumlosen Mark vorzunehmen. Seine Nachfolger setzten sein Werk fort. In einem Schreiben vom 3. Februar 1798 bat der Rekener Amtsschulze das Domkapitel, weitere Esskastanien-Pflänzlinge in genügender Menge zu übersenden. 

Anordnung des Fürsten zu Holzdiebstahl

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